Modellvorstellung Lohner 125 Roller

Das mit Spannung erwartete Gegenstück zum Puck-Roller ist nun endlich da: der neue 125-ccm-­Lohner-Roller, der anläßlich der Wiener Auto­mobil- und Zweiradausstellung dem österreichi­schen Publikum vorgestellt wurde. Es sei aus­drücklich betont, dem österreichischen Publikum, denn Lohnur gedenkt, zum Unterschied von Steyr-Daimler-Puch, seine Erzeugnisse nur im Inland zu verkaufen. Dieses für uns an und für sich angenehme Vorhaben wird allerdings durch die Tatsache, daß mit den ersten Modellen erst im Juni zu rechnen ist, etwas getrübt. Trotzdem läßt sich aber schon heute voraussagen, daß die­sem Roller ein voller Erfolg sicher sein wird. Der neue Lohner hat sich gegenüber seinen Vor­gängern ganz gewaltig herausgemausert, er wäre nach Aussehen, Leistung und - Geräuschent­wicklung auf dem internationalen Markt ohne­weiters konkurrenzfähig, ob er auch preis­mäßig mitkäme, können wir allerdings nicht beurteilen. Vor allem besitzt er endlich die bisher so vermißten Kurven und Rundungen, die ja be­kanntlich allerseits (besonders bei den Herren der Schöpfung) beliebt sind. Freudig begrüßt wer­den auch die einseitige Radaufhängung, sprich einfache Radmontage, und die Weißwandreifen. Ob die letzteren auch zur Normalausrüstung ge­hören, ist allerdings nicht sicher. Unter diesen erfreulichen Aspekten wollen wir uns die Sache näher betrachten.
 
   

Das Antriebsaggregat

bildet ein Rotax-Zweitaktmotor mit ll5 ccm In­halt mit quadratischem Hub-Bohrungs-Verhältnis (54 X 54). Er erreicht bei einer Verdichtung von 1 : 6,5 eine Leistung von 5,5 PS bei 5000 U/min. Der Drehzahlbereich wird vom Werk mit 2000 bis 6000 U/min angegeben, dem entsprechen zirka 2 PS am unteren und 5 PS am oberen Ende. Sehr günstig und flach liegt die Drehmomentkurve. Der Maximalwert von 0,8 mkg ergibt sich rund um 4000 U/min, bei 6000 U/min sind noch 0,6 mkg vorhanden und bei 2500 U/min darf man immerhin noch gute 0,7 mkg erwarten, das sind etwa 88% des Maximalwertes. Die Serienmodelle sollen jedoch einen neuen, in Gemeinschaftsarbeit Sachs-­Rotax hergestellten Motor mit 6,1 PS Spitzen­leistung erhalten, dadurch werden auch die an­deren Werte etwas nach oben verschoben.


 

Der gebläsegekühlte Einzylindermotor besitzt einen Flachkolben, der die Gassteuerung mittels Umkehrspülung reguliert. Die Motorkonstruktion ist der Ausführung, wie sie im Lohner 200 ein­gebaut wird, sehr ähnlich. Das rechtssitzende und auf der Kurbelwelle aufgekeilte Radial­gebläse bringt die Kühlluft mittels Leitbleche an Zylinder und Leichtmetallkopf, wobei zu be­merken ist, daß die Kühlrippen am Zylinder­kopf senkrecht zur Strömungsrichtung der Kühl­luft stehen.
Für die Aufbereitung des Kraftstoff-­Luft-Gemisches sorgt ein Rotax-Vergaser üblicher Bau­art, der mit einem Luftfilter mit fernbetätigter Luftdrosselvorrichtung versehen ist. Ebenso ist zum Vergaserüberlauf eine Fernbetätigung ein­gerichtet. Zwischen Charter und Gebläse befin­det sich das E-Werk des Motors. Es erzeugt drei voneinander unabhängige Spannungen: Eine Wechselspannung für die Magnetzündung und je eine Gleichspannung von 30 W Leistung für Beleuchtung und Ladung der Batterie. Kurbel­wellen und Pleuellager sind nach den üblichen Bautendenzen ausgeführt.
Die Motorkraft wird von der Kurbelwelle mittels Kette über eine im Öbad laufende Drei-Scheiben-Korklamellenkupplung auf das Dreiganggetriebe weitergeleitet, dessen Übersetzungen 1:3,3, 1,7, 1,0 betragen. Die Schaltung der einzelnen Gänge erfolgt nicht mit einem Kupplungsschalthebel, sondern wird mit dem Fuß über einen normalen Schaltautomaten betätigt. Der Hebel ist netter­weise gleich von Haus aus zweiarmig ausgeführt. Auch die Zeiten der endlosen Zieherei beim Star­ten sind endgültig vorbei, der nette Lohner hat einen normalen Kickstarter, dessen Tritt sich in Fahrtrichtung umklappen läßt, so daß man daran nicht hängenbleiben kann.
 
   

Fahrgestell und Karosserie

Schon der erste Lohner-Roller hatte eine selbst­tragende Karosserie, daher ist es nicht verwun­derlich, wenn auch dieser Roller damit aufwarten kann. Der aus Stahlblech gepreßte verwindungs­steife Hohlkörper besitzt ein sehr bauchiges Schutzschild, das auf der Rückseite mit Deckel und Schloß verschließbar ist und so einen idealen versperrbaren Gepäckraum darstellt, in dem zwar nicht übermäßig viel, doch immerhin einiges ver­staut werden kann.
Unter den beiden Sitzen befindet sich der Motor­ Getriebeblock, er kann durch zwei leicht abzu­nehmende Seitendeckel freigelegt werden. Durch Lösen von nur einer Schraube, kann der Motor zwecks Regulierung der Kettenspannung in Fahrtrichtung verschoben werden.
Gänzlich nett entwickelt wurde die Radaufhän­gung. Aus Gründen der bequemen Radmontage wählte man eine einseitige Lagerung der Räder. Die Vorderradgabel wurde nach altbewährter Methode mit vor der Radachse liegendem Dreh­punkt ausgeführt, so daß das Vorderrad über ein auftretendes Hindernis nicht gestoßen, son­dern gezogen wird. Die Lagerung der Tragplatte im Gabelholm erfolgt durch eine breite Faust, deren Gelenk mit einem selbstschmierenden Silent-Lager ausgestattet ist. Der Vorderradachs­bolzen ist mit Konus und Keil in der Tragplatte festgehalten und trägt seinerseits wieder die zwei Radlager. Als Federelemente dienen bei beiden Rädern Spiralfedern, und zwar vorne eine und hinten zwei. Sie können im Bedarfsfalle gegeneinander ausgetauscht werden.
Die Hinterradfederung wurde als einseitige Schwinggabel ausgeführt, wobei der Schwing­arm durch den Kettenkasten gebildet wird. Der Drehpunkt liegt unmittelbar hinter dem Getriebe und ist ziemlich breit abgestützt, die beiden Fe­dern liegen hier jedoch zu beiden Seiten des Rades. Auch hier wiederum eine wartungsfreie, Laqerung, wie überhaupt das gesamte Fahrgestell nicht geschmiert zu werden braucht. Eine eigent­liche Stoßdämpfung ist nicht vorgesehen, es kann jedoch jederzeit ein hydraulischer Stoß­dämpfer zum Preise von zirka S 150,- eingebaut werden.
 
   

Die Innenbackenbremsen sind in ähnlicher Weise wie bei den früheren Modellen ausgeführt. Unter den beiden Sitzen befindet sich zwischen dem Motor und Hinterrad der 8,5 Liter fassende Ben­zintank, mit 1,5 Liter Reservefüllung. Der dazu­gehörige Benzinhahn befindet sich unter dem vorderen Sitz an der Stirnwand des Motor­gehäuse-Aufbaues, die Knöpfe für Luftfilter und Tupfer befinden sich unter dem Fahrersattel. Die Reichweite des Rollers beträgt bei einem Nor­malverbrauch von 2,5 Liter/100 km gute 300 km. Ein viel diskutierter Punkt ist der Scheinwerfer, der nach wie vor auf dem Lenker thront. Es ist fürwahr nicht der schönste Platz, den man ihm gab, dennoch ging Lohner von dieser Lösung nicht ab. Erstens kann man die Kurven ganz an­ders ausleuchten als mit starr eingebauter Licht­quelle, zweitens wollte man den Scheinwerfer so hoch als möglich setzen, um dadurch bei Nachtfahrten eventuelle Straßenunebenheiten und Löcher leichter zu bemerken, und drittens würde ein Einbau in das vordere Schutzblech den recht angenehmen Gepäckraum nur un­nötig verkleinern.
Unter dem Scheinwerfer befindet sich ein kleines Armaturenbrett, das den Tachometer, und auf Wunsch eine Zeituhr enthält. Warum der Tacho­meter ausgerechnet verkehrt herumläuft, ist auch uns ein Räsel. Das Fußbrett ist sehr sauber mit einer Gummimatte ausgelegt und reicht so weit nach hinten, daß auch die Füßchen der lieben Sozia Platz finden. Sehr reichlich ist der Platz für die Knie, auch Personen mit mehr als 2m Größe werden kaum am Schutzblech anstoßen. Normal sind zwei Schwingsättel vorgesehen, ge­gen Aufzahlung gibt es auch eine Sitzbank.
Die Fahrleistung ist ungefähr mit dem Puch-­Roller vergleichbar, nur dürfte der Lohner mehr Kraft im unteren Drehzahlbereich haben, da seine Drehmomentkurve viel flacher liegt. Die 5,5 PS bzw. 6,1 PS der Juni-Serie schaffen zirka 80 km/h Spitze. Man ist aus Gründen der Berg­freudigkeit nicht höher gegangen, obwohl die Möglichkeit dazu leicht vorhanden wäre. Dafür beträgt die Steigfähigkeit allein zirka 35% (!) und zu zweit 23%. Die Tragfähigkeit reicht für zwei Personen jeder Gewichtsklasse und für das üb­liche Gepäck, der Verbrauch wird sich je nach Fahrweise zwischen 2,5 und und 3 Liter bewegen. Der Roller wird in zwei Ausführungen geliefert. Als Standard-Ausführung um S 8480,- besitzt er keinen Soziussitz, jedoch serienmäßig einen Gepäckträger. Die Luxusausführung kommt auf S 8990,- und hat außer Soziussitz rückwärts noch ein Reserverad montiert.