Puch Roller im Wettbewerbseinsatz

Dr. Norbert Mylius: „Das erfolgreiche Herrichten eines Puch Rollers fürs Wertungsfahren“,
Notizen vom 4.3.1958 und die letzte Ausbaustufe:
 „RLA 145“ ab „Kapfenberger Schloßbergrennen“ am 1.Mai’58


Puch RLA 145

17 Punkte- Programm:                                                                                 

1.    Demontage des den Fahrer behindernden Haltegriffs für den Sozius.

2.    Der punktverschweißte Seitenständer wurde autogen verschweißt.

3.    Detto die Versteifungen in der Haube innen, die auch verstärkt wurden.

4.    Der Mittelständer wurde ersetzt durch vier kurze Rohrenden, senkrecht angeschweißt an 4 Punkten der
        Stützleisten des Fußbretts. In diese passen lange Rohre zum Aufbocken des Rollers.

5.     Ein italienischer Kurzdrehgriff (Wickelgas) ersetzte den serienmäßigen Gasdrehgriff.

6.    Montage des Zubehörs „Sturzrahmen“.

7.     Ersatz des nässeanfälligen Zündschlüssels durch einen Zugzündschalter.

8.  1.      Ersatz des mit schweren Schuhwerk umständlich zu bedienenden, fußbetätigten Startknopfs durch einen weiteren Zugzündschalter, montiert an der linken Seite der Scheinwerferhaube und fixierbar in den Stellungen „AUS / EIN“. Zusätzlich ermöglicht er das Mitlaufenlassen des Dynastarters im schwierigen Gelände, was ein Blockieren des Hinterrads beim Bremsen verhindert, und er ist auch hilfreich bei Einstellarbeiten am Motor.  

9.    Motor: Der vom Puchwerk gelieferte „150er Zylinder“ war nur ein dünnwandig, auf Ø 57mm aufgebohrter 125er-Zylinder mit 125er Gebläsedeckel.

10.                       Der dazupassende Kolben hatte Kolbenbolzenaugen mit Ø 18mm, bei einem „Ø Pleuelauge“ von 15mm bei mir. Das erforderte ein thermisch unbefriedigendes Ausbuchsen der Kolbenbolzenaugen. Dieses wurde mit der Zeit ersetzt durch einen serienmäßig unbearbeiteten CZ- oder Jawakolben gleicher Bohrung, aber mit 15er Kolbenbolzenbohrungen. Da dessen Kolbenhemd um 2mm kürzer war, als beim „150er Puchkolben“ wurden am Zylinderfuß auch 2 mm abgedreht.

11.  Ansaugstutzen, Vergaser und Filter mit Frischluftzufuhr vom „150er-Puchroller“ ersetzten meinen Vergaser mit Ø 22mm, liegender Mischkammer, separater Schwimmerkammer und dahinter, im heißen Motorraum liegenden Filter + diverser Frischluftzuführungsversuche.

12.Einlasskanal war gem. dem vergrößerten Ø der Vergaser verbreitert worden. Eine 1,5mm hohe Kante an seinem unteren Ende innen wurde entfernt.

13.Die Überströmkanäle und der Auspuffschlitz wurden ~2mm höher gezogen.

14.Der Auspuffschlitz wurde noch um 3mm verbreitert.

15. Sämtliche Übergänge der Kanäle mit Kurbelkammergehäuse und Kolben wurden stufenlos gestaltet und poliert.

16.Die Kurbelwelle wurde mit Hilfe von Kork und eines über ihre birnenförmigen Ausnehmungen angelöteten Blechstreifens ausgefüllt.

Mit Helm und Krawatte

17. Auspuff: hier gab’s ein Jahre langes Probieren. Meine wichtigste Erkenntnis war der leistungshemmende, fehlende Expansionsraum und die Montage einer Expansionskammer unter dem rechten Fußbrett, am Zentralrahmenrohr per Auspuff-Flansch auf Höhe des Fußbremshebels angeschlossen; nur einseitig angeschlossen! Als die Puchwerke meine Erfindung übernahmen, ersetzte ich meine Expansionskammer durch die „schönere“ ihres „150er Rollers“, nach wie vor nur vorn angeschlossen. Puch hatte ihr – unnötigerweise – 2 Öffnungen gegeben: auspuffseitig and am Auspuff-Flansch vorn. Am Schluss zeigten sich als die beste Lösung:

Expansionskammer + ein total ausgeräumtes Rahmenrohr + ein großer „150er-Burgess-Enddämpfer“: nicht laut und dennoch schnell.

NG Mylius
Man beachte das Outfit :                                                     
 Dr. Mylius hatte sich schon vor dem Start für die            Siegerehrung angezogen und ging im Sonntagsanzug mit weißem Hemd und Krawatte an den Start.              
Das  waren damals noch echte "Herrenfahrer" .                            

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Von:
Dr. Norbert Mylius
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