Im Museum: Puch X50 Post

In der Geschichte von Puch gab es einige interessante Sonderfahrzeuge für österreichische Behörden und staatliche Unternehmen. Egal ob Gendarmerie, Bundeheer oder Post, Puch war stets bereit ein Sondermodell für den Einsatz im Staatsdienst anzufertigen.

Eines der letzten Sondermodelle war eine stark modifizierte Puch X50-4. Die Variantenvielfalt dieser Modelle ist sehr breit gefächert. Allein dieses Fahrzeug gab es für die Post mit 3 verschiedenen Felgen über eine relativ kurze Produktionszeit. Angaben können daher, je nach Baujahr, abweichen. Viele dieser Fahrzeuge wurden über Ihre Dienstzeit bei der Post auch aus mehreren Fahrzeugen „zusammengestoppelt“ um sie am Leben zu halten. Oft sind sie also einzigartig und erzählen eine interessante Lebensgeschichte über ihren Dienst bei der Post.

Motor: Da dieses Fahrzeug relativ spät gebaut wurde, ist hier ein sehr moderner Puch 4gg. Motor verbaut. Er ist mit einem sehr späten Monza Motor vergleichbar und hat teilweise verstärkte Kupplungskörbe, Kurbelwellen mit Nadellager und dem langen 1. Gang ab Werk. Es wurde aber nie eine fahrtwindgekühlte Variante für die Post gebaut. Da diese Kombination von 4gg. Motor und Gebläsekühlung nie in handelsüblichen X50 Modellen verbaut wurde, musste Puch eine spezielle Ritzelabdeckung konstruieren welche nur auf der X50 Post zu finden ist.

Beinschild: Das Beinschild ist eine Sonderanfertigung für die X50. Es sieht der VZ50 Post sehr ähnlich, ist aber mit anderen Haltern ausgestattet. Dieses Teil ist für eine geringe Stückzahl überraschend gut gefertigt, leidet aber unter mangelnden Wasserabläufen und rostet oft am Gestell durch. Das Kupplungsseil ist ab Werk übrigens direkt am Beinschild geführt und mit einer Lasche gesichert. Dies sollte den Tausch vereinfachen und ist eher mit der Einbaurichtung der R50 vergleichbar.

Gabel: Hier gab es nur das Beste vom Besten. Jede Post X50 war mit einer ölgedämpften Paioli Gabel ausgestattet. Vorne war immer ein verchromter Stahlkotflügel verbaut. Das hier gezeigte Fahrzeug verfügt über eine Gabelverlängerung (0005.230.1).

Felgen: Wie oben bereits genannt wurden hier Speiche, Pressblech und Druckguss-Verbund Felgen verbaut. Anhand dieser Felgen lässt sich auch einordnen ob es sich um ein frühes oder spätes Exemplar handelt. Die Speichenräder waren die frühen, die Gussräder die späten Modelle. Eine interessante Ausnahme ist die Radnabe hinten. Sie verfügt über eine Ankerplatte welche normalerweise nur bei der MX50-X Baureihe zu finden ist. Der Grund dafür findet sich weiter unten beim Seitenständer.

Ausstattung: Diese Fahrzeuge waren serienmäßig mit Blinkern ausgestattet. Unter der linken Seitenverkleidung versteckt sich eine ULO Box mit einem entsprechenden Richter für eine Kontrolllampe. Bei den meisten Fahrzeugen wurde diese Anlage aber entfernt, da die Gummihalter für die Blinker jahrzehntelang nicht verfügbar waren. (aktuell haben wir diese Gummis neu im Programm: 337.1.54.027.1). Das Cockpit war ähnlich der MX50-X minimalistisch ausgeführt. Lediglich eine Blinkerkontrolle findet sich versteckt neben dem Tachometer.

Gepäckträger: Der Gepäckträger macht neben dem Beinschild den größten optischen Unterschied zu anderen X50 Modellen aus. Für Post Modelle blieb das Gestell über die Jahre gleich, nur die Halter wurden an das entsprechende Modell angepasst. Es finden sich zahlreiche Laschen an diesem Träger was ihn perfekt für Ausfahrten und große Lasten macht.

Seitenständer: Der Seitenständer versteckt einen unverhältnismäßig großen Aufwand für dieses Sondermodell. Puch hat für dieses Fahrzeug eine eigene Hinterradschwinge angefertigt. Es ist eine Mischung aus der MV50-X (Einsitzer) Schwinge und der X50-4 (Zweisitzer) Schwinge. Auf der linken Seite wird das Loch für den Soziusfußraster für den Seitenständer verwendet. Auf der rechten Seite wurde dieses Loch nicht gebohrt und die entsprechende Hülse nie eingeschweißt. Dadurch fiel aber auch der Montagepunkt für den Zuganker der modernen X50 Bremsankerplatte weg. Es wurde daher (nicht bei allen aber bei einigen) eine wesentlich ältere Ankerplatte der MV50-X verbaut welche einen anderen Ankerpunkt für die Bremse verwendet. Man erkennt diese Variante anhand vom Bremslichtschalter direkt auf der Ankerplatte.

Prüfplakette: Staatliche Unternehmen durften zu dieser Zeit noch eigene Überprüfungen für Straßen- und Verkehrssicherheit durchführen. Daher findet sich eine prall gefüllte Prüfplakette auf der Seitenverkleidung. Diese „Eigenprüfung“ wurde aufgrund gravierender Mängel später eingestellt und die §57a-Abnahme musste durch eine externe Fachwerkstätte durchgeführt werden.

Design: Die restlichen Designelemente waren minimalistisch ausgeführt um Kosten zu sparen. Die Seitendeckel waren immer roh in Schwarz ohne Aufkleber ausgeführt. Der Tank wurde gelb lackiert und auch der Tankdeckel war nicht verchromt, sondern schwarz lackiert. Lediglich der Aufklebersatz am Tank war ein einzigartiges Teil. Dieser gestreifte Aufkleber ist nur auf der X50 Post zu finden.  

Tasche: Es gab, ähnlich wie bei der ÖBH Ranger, eine Ausstattungsliste für dieses Moped. Dazu gehört eine zeitgerechte Ledertasche und eine Box für den Gepäckträger. Leider ist es sehr schwer Bilder davon zu finden. Wir freuen uns also über Hinweise falls jemand noch Bilder von einer voll ausgestatteten Post X50 hat.

Stoßdämpfer: Bei der Post Ms, Mv, Vs wurden die hinteren Dämpfer ab Werk verstärkt. Die Stoßdämpfer der X50 waren jedoch wartungsfrei (nicht zerlegbar) und es konnten keine einzelnen Komponenten vom Stoßdämpfer verstärkt oder getauscht werden. Daher wurden werksseitig immer die höhenversstellbaren Stoßdämpfer der 2-Sitzer Variante verbaut.

Probleme: Die Zuladung ist oft nicht nur einmal deutlich überschritten worden. Daher sind oft die Unterteile vom Rahmen gebrochen. Außerdem gab es für Dienstfahrzeuge keine Winterpause. Daher spielt auch Rost beim Kauf eine große Rolle. Abgebrochene Lenkanschläge und eingedrückte Tanks sind auch oft zu finden. Ansonsten hat Puch das Fahrzeug sehr robust ausgelegt.

Nach dem Dienst: Vorerst ist zu erwähnen, dass es diese Fahrzeuge auch als „zivile Variante“ gab. Sie ist an dem silbernen Tank zu erkennen. Nachdem die Fahrzeuge ihren Dienst beendet haben wurden sie versteigert. Dies ist auch zuvor mit Post Ms, Mv, Vs sowie der ÖBH Ranger der Fall gewesen. Sehr irritierend war jedoch, dass die Post X50 offenbar alle ohne Papiere versteigert wurden. Das macht eine Wiedereingliederung in den Straßenverkehr unnötig schwierig. Wir empfehlen daher vor dem Kauf unbedingt auf die passenden Fahrzeugunterlagen zu achten.

Schlussendlich fragt man sich wie teuer die ganze Geschichte wohl war. Es gibt wenige Sondermodelle welche der X50-Post an Komplexität die Stirn bieten können. Die Ergebnisse sprechen jedoch für sich: Die X50 war länger im Dienst als vorgesehen und ist auch heute noch zahlreich auf Treffen zu sehen. Auch unser Museumsstück ist angemeldet und wird regelmäßig bewegt.

Wir können dieses Modell wärmsten Herzens an Einsteiger empfehlen, da es eine gute Ersatzteileversorgung gibt und das Moped eher einfach zu reparieren ist.

Dieses und viele weitere Exponate siehst du in unserer Fahrzeugausstellung. Komm vorbei und schau dir unsere X50-Sammlung an! 




Puch X50 Post




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