BMW Roller R10

BMW R 10 (Autor Franz Farkas), (Bilder: BMW Classic)

 

Alles schon einmal dagewesen

 

Vor über 50 Jahren hatten die Bayern schon einen Großroller serienreif

BMW Roller R10 1954

 

Motor BMW R10

Der nun am Markt befindliche C 600 ist der erste Großroller von BMW, er soll in diesem Segment den Premium- Anspruch der Marke betonen. Doch schon kurz nach dem Krieg hatte man sich in München über ähnliche Konzepte handfeste Gedanken gemacht. Nachdem man sich nach 1945 zuerst mit Töpfen, Pfannen und Ähnlichem über Wasser gehalten hatte, wurde ein Prototyp eines Volksmotorrades erprobt, mit einem kleinen Zweitakt Boxer und den Fußrasten vor dem Motor. Mittlerweile begann der Roller seinen Siegeszug, ausgehend von Italien schwappte die Scooter Welle schon bald nach Deutschland. Bei BMW beobachtete man dies sehr gespannt, brachten doch nur die Motorräder Geld, während der Autobau weit in den roten Zahlen lag. 1950 wurde ein erste Prototyp konzipiert, der noch sehr viele Anleihen am Motorrad zeigte. So war der Motor eher mittig eingebaut, was einen freien Durchstieg nicht möglich machte, auch große Räder wie bei einem Motorrad waren verbaut. 1953 mündete die Entwicklung in ein eher glattflächiges Roller- Design. Ein ebenes Trittbrett, eine breite Frontschürze und untereinander austauschbare Räder  waren Allgemeingut in dieser Zeit. Unter dem Blechkleid jedoch fand man BMW typische Merkmale. Etwa einen fast 200 cm² großen gebläsegekühlten Viertaktmotor mit im Kopf hängenden Ventilen, die typische Trockenkupplung und ein zur Seite verlegtes Dreigang-Getriebe, um den Antriebsblock weit nach hinten rutschen zu lassen. Obwohl der Motor starke Anleihen zum Motorrad Triebwerk der R 25 aufwies, war er eine völlige Neukonstruktion. Als Endantrieb fungierte natürlich eine Kardanwelle, auch heute noch einzigartig für einen Roller. Der Antrieb war in einem Zentralrohrrahmen aus Stahl gelagert vorne mit Telegabel gedämpft und gefedert, hinten fortschrittlich mit Einarmschwinge und Monofederbein. Etwa sieben PS leistete der Einzylinder, das klingt nicht nach viel, war aber zu einer Zeit, als ein Auto kaum 20 Pferde hatte, eine Menge Holz. Die Konkurrenz etwa von Vespa und Co hatte viel weniger zu bieten, sowohl an Leistung als auch an Hubraum. Der Roller wurde kräftig erprobt, auch mit einem Motor mit 175 cm³, der besser in die Führerscheinlandschaft passte. In Österreich zum Beispiel bekam man damals mit dem PKW Schein den Motorradschein bis 175 cm³ dazugeschenkt, außerdem durften Nähmaschinenmechaniker Motorräder bis zu dieser Hubraumklasse warten und reparieren.

BMW typisch: Kardanantrieb

1954 war man bereit für die Serienfertigung. In der Zwischenzeit jedoch begann sich der Rollerboom abzuschwächen, zudem hatte man von Iso aus Mailand eine Lizenz zum Bau eines Kabinenrollers erworben. Trotzdem wurde 1954 anlässlich der Hauptversammlung der Aktionäre von der Geschäftsleitung verkündet, beide Modelle im nächsten Jahr bauen zu wollen. Bei dem Isetta getauften Kleinstauto sollte das auch stimmen, aber der R 10 wurde nie in Serie gefertigt. Im allerletzten Moment hatten die Verantwortlichen die Notbremse gezogen. Aus der damaligen Sicht eine richtige Entscheidung, denn der Zweiradmarkt im Allgemeinen begann drastisch einzubrechen. Viele große Firmen mussten zusperren, BMW rettete sich mit der Isetta und später mit dem 700 in die Neuzeit. Das Thema Roller wurde ad acta gelegt- bis in letzter Zeit…..