Jawa 500 OHC (Typ 15)

High Tech von nebenan 

Jawa 500 ohc
Königswelle

(Text und Bilder Franz Farkas)
Wer an die tschechische Motorradfirma Jawa denkt, der denkt wohl automatisch an robuste Zweitakter, die jahrzehntlang auch in Österreich das Straßenbild mit prägten. Doch bei Janecek und Wanderer, wie die 1929 gegründete Firma ausgeschrieben hieß, konnte man auch anders. Die erfolgreichen Rennmaschinen der Marke waren schon  in den Dreißigern mit einem OHV Motor mit einem Königswellenantrieb für die Nockenwellen ausgerüstet. Nach dem Krieg verkauften sich die heimlich während der Besatzungszeit entwickelten 250er und 350er Zweitakter ausgezeichnet und so war auch bald Geld für eine aufwändigere Entwicklung vorhanden.
Sie sollte die begehrten Devisen aus dem Westen bringen und den damals sehr populären englischen Maschinen Konkurrenz machen. In Anlehnung an die oben erwähnten Rennmotoren konstruierten die Techniker aus Prag 1950 einen Viertakt-Twin mit einer obenliegenden Nockenwelle. Auch die Königswelle wurde vom Rennaggregat übernommen. Typische auch für diese Jawa war die automatisch ausrückende Kupplung beim Betätigen des Schalthebels, sodass nur beim Anfahren der Handhebel bemüht werden musste.   Von den zweitaktenden Schwestern kam das Fahrwerk mit einer ungedämpften Geradewegfederung hinten sowie einer Telegabel vorne. Der Rahmen wurde auch im Hinblick auf einen optionalen Seitenwagenbetrieb verstärkt, konnte aber trotzdem die gebotenen, ohnehin optimistischen 26 PS kaum verkraften. Einer der Gründe für die recht magere Leistungsausbeute dürfte wohl der einsame 24er Jikov Vergaser sein. Trotzdem gab es jede Menge Kinderkrankheiten, sodass nach dem ohnehin schon um zwei Jahre verzögerten Serienanlauf rasch nachgebessert wurde. Der Typ 15/02 erhielt 1956 einen geänderten Ventiltrieb (Schrägverzahnung anstatt Schneckenantrieb), einen größeren Ölbehälter und zahlreiche weitere Verbesserungen. Als Leistung wurden nun 28 PS angegeben. Fahrwerksmäßig tat sich hingegen wenig, nur dieHalbnabenbremsen wurden auf Vollnaben umgestellt. Optisch wurde die 15/002 mit einer damals hochmodernen Sitzbank anstelle der Schwingsättel aufgepeppt.

Riesentrommelbremse

Im Gegensatz zum ursprünglichen Vorhaben wurde der Typ 15 kaum exportiert, wohl weil man befürchtete, dass die nicht gerade sehr zuverlässige Maschine den Ruf der anderen Modelle verderben könnte. So wurde sie vor allem an die heimische Polizei verkauft, deren Mechaniker sie ebenfalls nicht sonderlich liebten. Wie viele der Viertakt- Jawa produziert wurden, ist nicht ganz klar, die Schätzungen liegen von 2500 bis 5000 Stück, davon der überwiegende Teil 15/02. Wie viele der Motorräder heute noch existieren, ist ebenfalls nicht bekannt. 1958 wurden noch einige Prototypen mit einem Schwingenfahrwerk aus der aktuellen 350er gebaut, diese wurden jedoch nicht mehr verkauft. Schade ist auch, dass die verbliebenen Ersatzteile Ende der sechziger Jahre eingeschmolzen wurden, hier herrscht echter Mangel. Das aber macht den Königswellen- Tschechen nicht nur in seiner Heimat begehrt.              —